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03.11.2020

Wenn Eltern sich trennen …

Was bedeutet eigentlich „Umgangsrecht?“

„Wir lassen uns scheiden“. Wenn Eltern diesen Satz aussprechen, ist das für Kinder ein Schock. Von jetzt auf gleich bricht die Familie auseinander, die Sicherheit, das Zuhause. Das Kind hat Angst, einen Elternteil zu verlieren. Nicht selten hat es Schuldgefühle.

Nach einer Trennung oder Scheidung ist das im BGB verankerte Umgangsrecht neben dem Sorge- und dem Aufenthaltsbestimmungsrecht ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt. Es trägt dafür Sorge, dass die familiären Beziehungen des Kindes soweit wie möglich erhalten bleiben. „Was oft vergessen wird: Das Umgangsrecht ist nicht für die Eltern eingerichtet worden, sondern explizit zum Wohle des Kindes. Ein Kind hat demnach das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen und jeder Elternteil hat das Recht und die Pflicht zum Umgang mit dem Kind. Das gilt vom Säuglingsalter bis zur Volljährigkeit“, erklärt Klaudia Lukez-Bürrig, Fachanwältin für Familienrecht bei Stein & Partner. Aus ihrer Erfahrung als Mediatorin weiß sie, dass es vielen Eltern schwerfällt, sich gegenseitig Zugeständnisse zu machen: „Das ist ein stückweit verständlich. Dennoch sollte man bei allen Streitigkeiten die Bedürfnisse des Kindes nicht aus dem Blick verlieren. Das gelingt am besten, wenn man die Situation nicht aus der Paar-, sondern aus der Elternperspektive betrachtet.“

Regelmäßiger Umgang: Vom Besuch bis zum Videochat

Zentraler Punkt beim Umgangsrecht ist das Recht des Kindes, beide Elternteile in regelmäßigen Abständen zu sehen und zu sprechen. Zum Umgang gehören neben den persönlichen Begegnungen auch Brief-, E-Mail- und Telefonkontakt, z.B. über Videoformate. Auch gemeinsame Urlaubszeiten werden über das Umgangsrecht geregelt – nicht nur bei Schulkindern und Teenagern, sondern auch bei Kleinkindern, wenn die Bindung zum nicht betreuenden Elternteil gut ist.

Welches Modell ist alltagstauglich?

In der Regel wird in Deutschland das sogenannte Residenzmodell praktiziert. Das bedeutet, dass das Kind seinen Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil hat und der andere Elternteil ein Besuchsrecht besitzt. Beim Wechselmodell werden die Betreuungszeiten hälftig aufgeteilt. Da die Eltern nach einer Trennung oft zerstritten sind, das Wechselmodell aber eine hohe Kooperationsfähigkeit der Eltern voraussetzt, kommt dieses selten infrage. Auch bei flexiblen Zeiten herrscht oft Uneinigkeit. Daher vereinbaren Eltern in den meisten Fällen „feste“ Zeiten. Wie diese aussehen, hängt vom Alter des Kindes und von den Gesamtumständen ab. Kleinkinder sollten demnach häufiger bei dem anderen Elternteil sein, dafür nicht so lange. Schulkinder oder Teenager können in der Regel bei dem nicht betreuenden Elternteil übernachten. Kleinkinder aber ebenso, wenn die Bindung gut ist.

Übrigens: Auch in Zeiten von Corona ist der Umgang zu gewähren, es sei denn einer der Elternteile ist infiziert oder in Quarantäne. Die Pandemie ändert grundlegend nichts daran, dass minderjährige Kinder auf ihre Eltern angewiesen sind.

Was, wenn`s nicht klappt?

Wenn sich die Eltern nicht über den Umgang einigen können, wird dieser gerichtlich festgelegt. Hier gilt es zu bedenken, dass das Kind ab einem gewissen Alter auch vor Gericht angehört werden kann. „Soweit sollte man es am besten gar nicht kommen lassen. Da appelliere ich immer an die Vernunft der Eltern“, so Klaudia Lukez-Bürrig.

Bei einer Kindeswohlgefährdung, z.B. durch Kindesmissbrauch, Verletzung der Aufsichtspflicht wird auf Antrag gerichtlich über eine Aussetzung des Umgangs entschieden.

Unser Tipp

Jede Familienkonstellation ist anders. Daher sollte man individuell überlegen, welches Modell nach einer Trennung am besten passt. Es bringt nichts, Eltern in ein Korsett zu zwängen, das nicht passt. Damit ist weder das Kind glücklich, noch die Eltern.

03.11.2020

Wenn Eltern sich trennen …

Was bedeutet eigentlich „Umgangsrecht?“

„Wir lassen uns scheiden“. Wenn Eltern diesen Satz aussprechen, ist das für Kinder ein Schock. Von jetzt auf gleich bricht die Familie auseinander, die Sicherheit, das Zuhause. Das Kind hat Angst, einen Elternteil zu verlieren. Nicht selten hat es Schuldgefühle.

Nach einer Trennung oder Scheidung ist das im BGB verankerte Umgangsrecht neben dem Sorge- und dem Aufenthaltsbestimmungsrecht ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt. Es trägt dafür Sorge, dass die familiären Beziehungen des Kindes soweit wie möglich erhalten bleiben. „Was oft vergessen wird: Das Umgangsrecht ist nicht für die Eltern eingerichtet worden, sondern explizit zum Wohle des Kindes. Ein Kind hat demnach das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen und jeder Elternteil hat das Recht und die Pflicht zum Umgang mit dem Kind. Das gilt vom Säuglingsalter bis zur Volljährigkeit“, erklärt Klaudia Lukez-Bürrig, Fachanwältin für Familienrecht bei Stein & Partner. Aus ihrer Erfahrung als Mediatorin weiß sie, dass es vielen Eltern schwerfällt, sich gegenseitig Zugeständnisse zu machen: „Das ist ein stückweit verständlich. Dennoch sollte man bei allen Streitigkeiten die Bedürfnisse des Kindes nicht aus dem Blick verlieren. Das gelingt am besten, wenn man die Situation nicht aus der Paar-, sondern aus der Elternperspektive betrachtet.“

Regelmäßiger Umgang: Vom Besuch bis zum Videochat

Zentraler Punkt beim Umgangsrecht ist das Recht des Kindes, beide Elternteile in regelmäßigen Abständen zu sehen und zu sprechen. Zum Umgang gehören neben den persönlichen Begegnungen auch Brief-, E-Mail- und Telefonkontakt, z.B. über Videoformate. Auch gemeinsame Urlaubszeiten werden über das Umgangsrecht geregelt – nicht nur bei Schulkindern und Teenagern, sondern auch bei Kleinkindern, wenn die Bindung zum nicht betreuenden Elternteil gut ist.

Welches Modell ist alltagstauglich?

In der Regel wird in Deutschland das sogenannte Residenzmodell praktiziert. Das bedeutet, dass das Kind seinen Lebensmittelpunkt bei einem Elternteil hat und der andere Elternteil ein Besuchsrecht besitzt. Beim Wechselmodell werden die Betreuungszeiten hälftig aufgeteilt. Da die Eltern nach einer Trennung oft zerstritten sind, das Wechselmodell aber eine hohe Kooperationsfähigkeit der Eltern voraussetzt, kommt dieses selten infrage. Auch bei flexiblen Zeiten herrscht oft Uneinigkeit. Daher vereinbaren Eltern in den meisten Fällen „feste“ Zeiten. Wie diese aussehen, hängt vom Alter des Kindes und von den Gesamtumständen ab. Kleinkinder sollten demnach häufiger bei dem anderen Elternteil sein, dafür nicht so lange. Schulkinder oder Teenager können in der Regel bei dem nicht betreuenden Elternteil übernachten. Kleinkinder aber ebenso, wenn die Bindung gut ist.

Übrigens: Auch in Zeiten von Corona ist der Umgang zu gewähren, es sei denn einer der Elternteile ist infiziert oder in Quarantäne. Die Pandemie ändert grundlegend nichts daran, dass minderjährige Kinder auf ihre Eltern angewiesen sind.

Was, wenn`s nicht klappt?

Wenn sich die Eltern nicht über den Umgang einigen können, wird dieser gerichtlich festgelegt. Hier gilt es zu bedenken, dass das Kind ab einem gewissen Alter auch vor Gericht angehört werden kann. „Soweit sollte man es am besten gar nicht kommen lassen. Da appelliere ich immer an die Vernunft der Eltern“, so Klaudia Lukez-Bürrig.

Bei einer Kindeswohlgefährdung, z.B. durch Kindesmissbrauch, Verletzung der Aufsichtspflicht wird auf Antrag gerichtlich über eine Aussetzung des Umgangs entschieden.

Unser Tipp

Jede Familienkonstellation ist anders. Daher sollte man individuell überlegen, welches Modell nach einer Trennung am besten passt. Es bringt nichts, Eltern in ein Korsett zu zwängen, das nicht passt. Damit ist weder das Kind glücklich, noch die Eltern.